Freitag, 30. Januar 2015

|Rezension| Still Chronik eines Mörders von Thomas Raab



Preis: 19,99 € (D)
Einband: Hardcover
Seitenanzahl: 368
Reihe: Einzelband
Erscheinungstermin: 14. Januar 2015
Verlag: Droemer
ISBN: 978-3-426-19956-5
Will ich kaufen!


Klappentext

Nur eines verschafft Karl Heidemann Erlösung von der unendlichen Qual des Lärms dieser Welt: die Stille des Todes. Blutig ist die Spur, die er in seinem Heimatdorf hinterlässt. Durch sein unfassbar sensibles Gehör hat er gelernt, sich lautlos wie ein Raubtier seinen Opfern zu nähern, nach Belieben das Geschenk des Todes zu bringen. Und doch findet er nie, wonach er sich sehnt: Liebe. Bis er auf einen Schatz stößt. Ein Schatz aus Fleisch und Blut. Ein Schatz, der alles ändert.
Ein berauschendes Leseerlebnis, aufwühlend, soghaft, eine virtuose literarische Komposition, die sich ­konsequent in den Dienst des Erzählten stellt.

(Quelle: Droemer Knaur)


Meine Meinung

Für dieses Buch die richtigen Worte zu finden, fällt mir bei weitem nicht einfach, denn es ist leider so ganz anders als ich es mir erhofft hatte und dies liegt noch nicht einmal an der Geschichte, sondern an dem doch sehr speziellen Schreibstil des Autoren.

Der Schreibstil ist wahrscheinlich der „hochwertigste“, denn ich seit meiner Schulzeit gelesen habe, aber ich kam mit dieser doch sehr altertümlichen Sprache einfach absolut nicht zu recht. Zu Beginn musste ich Seiten teilweise wiederholt lesen, da die Sätze so ellenlang gewesen sind und ich überhaupt nicht mehr wusste, was mir der Autor eigentlich sagen möchte. Ich musste mich derart konzentrieren, dass ich es nicht unterwegs habe lesen können. Leider ging dies bei mir alles sehr zu Lasten der Spannung, wenn diese überhaupt mal vorhanden gewesen ist. Raab schreibt sehr detailliert und nahezu poetisch. Er untermalt seine Geschichte mit Versen bekannter Dichter. Fans von Klassikern werden hier somit definitiv auf ihre Kosten kommen. 


Unser Protagonist Karl Heidemann leidet seit seiner Geburt an einem überempfindlichen Gehörsinn. Karls Gehörsinn ist derart ausgeprägt, dass er sämtliche „normalen“ Umgebungsgeräusche als Schmerzen empfindet, sodass er als Säugling ununterbrochen schreit. Um seiner Überempfindlichkeit entgegenzuwirken, ziehen seine Eltern ihn abgeschieden im Keller auf. Karl verlässt sein Revier lediglich für die nächtlichen Spaziergänge zum See mit seinem Vater. Zu seiner Mutter Charlotte hat er ein alles andere als gutes Verhältnis, denn neben seiner Andersartigkeit spricht Karl nicht und sucht auch keine Nähe zu seiner Mutter. Stattdessen weist er sie zurück. Hinzu kommt, dass die Dorfbewohner aus Jettenbrunn beginnen über die Familie zu reden. Eine schlimme Zeit für die Familie und insbesondere für Charlotte, da sie tagsüber mit dem stummen Kind alleine ist. Sie flüchtet sich in Alkohol.

 
Mit seinen mittlerweile 16 Jahren ist Karl der typische Antiheld. Er ist übergewichtig, stumm und hat keinerlei sozialen Kontakte. Er lebt mit sich und seinen Gedanken. Karls Verhalten ändert sich erst, als er durch den Freitod seiner Mutter Zeuge des Todes wird. Etwas derart friedliches und ruhiges hat er in seinem kurzen Leben noch nicht gesehen und ist fasziniert von der Stille, die der Tod umgibt. Ab diesem Zeitpunkt beginnt er sich für den Tod zu interessieren. Zunächst erlöst er nur Tiere und schenkt ihnen Erlösung. Doch dies hält nicht lange an und Karl beginnt die Menschen zu befreien. Karl tötet jedoch nicht aus Boshaftigkeit oder Verlangen, sondern aus purer Liebe. Sein oberstes Ziel ist es denn Menschen etwas Gutes zu tun.


Durch die detaillierten und ausdrucksstarken Beschreibungen Raabs von Karl hatte ich unseren Antihelden stets vor Augen. Leider konnte ich
zu ihm allerdings absolut keinen Bezug aufbauen. Er tat mir auch in keinster Weise leid und so richtig nachvollziehen konnte ich sein Handeln auch nicht.

Letztendlich erinnerte mich vieles sowohl sprachlich als auch die Zeichnung des Protagonisten an Das Parfum von Patrick Süskind. Leider hatte auch dieses Buch mir überhaupt nicht zugesagt. Bei Jean-Baptiste Grenouille war es der Geruchssinn, der ihn zu den Morden trieb und bei Karl Heidemann ist es die Suche nach der Erlösung, der Stille des Todes.


Zitate

Und bald suchte sich die Liebe ihren Weg zur bleibenden Zeugenschaft, ihren Weg zur Fleischwerdung.
(S. 19)

Bald kannte Karl die Abgründe seiner Mitmenschen, wusste von gespielter Freundlich- und gelebter Herzlosigkeit, wusste von öffentlichen Heiligen und privaten Tyrannen, wusste von offenbarter Gleichgültigkeit und heimlicher Liebe.
(S. 99)
Fazit 

Grundidee: 3,5 / 5
Umsetzung: 2,5 / 5
Schreibstil: 2 / 5 
Lesetempo: 1,5 / 5
 Charaktere: 3 / 5
Überraschungsmoment: 2,5 / 5
Ende: 2,5 / 5
   
Sicherlich ein literarisches Meisterwerk, das mich allerdings leider nicht packen konnte. Für mich war es zu philosophisch und zu still.
Bewertung


Der Autor

Thomas Raab, geboren 1970, lebt nach abgeschlossenem Mathematik- und Sportstudium als Schriftsteller, Komponist und Musiker mit seiner Familie in Wien. Zahlreiche literarische und musikalische Nominierungen und Preise, zuletzt "Buchliebling" 2011 und Leo-Perutz-Preis 2013. Die Kriminalromane rund um den Restaurator Willibald Adrian Metzger zählen zu den erfolgreichsten in Österreich. Zwei davon wurden im Sommer 2014 für die ARD-Degeto mit Robert Palfrader in der Hauptrolle verfilmt.

Vielen Dank an den Droemer Verlag für die Bereitstellung 
dieses Rezensionsexemplares!
http://www.droemer-knaur.de/home

Kommentare:

  1. Hallo Steffi, schade dass dir das Buch und die Geschichte nicht so gefallen haben, aber ich gebe dir Recht, der Schreibstil und eine Ähnlichkeit zu "Das Pafüm" bestehen schon (auch wenn ich nur den Film gesehen habe). Zwar kann ich mit den "alten Schinken" nichts anfangen, aber in dieser Geschichte hat es mich nicht gestört. Ich wünsche dir auch ein schönes WE und wir lesen uns bei "Sorry" :)
    Liebe Grüße,
    Uwe

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  2. Ich war bei einer lesung von Thomas Raab und kenne seinen Schreibstil mittlereile. Als ich das erste Mal in eines seiner Metzgerbücher reingelesen habe, fand ich es grauenhaft! ;) Ich habe keines davon gelesen, obwohl ich dann später die Lesung dazu hörte (zu seinem letzten Metzger-Toman) und ab da konnte ich etwas damit anfangen. Er ist ein sehr sympathischer Autor und ich denke ich werde in "Still" mal reinschmökern. Ich habe es heute in der Bücherei gesehen....allerdings wurde es erst in Folie verpackt ;)....irgendwann werde ich es schon mal bekommen.
    LIebe Grüße
    Martina

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  3. Hallo Steffi,

    "Still" ist bei dir ja richtig durchgefallen, hätte ich nicht gedacht. "Das Parfum" hat mir sehr gut gefallen, da wird wohl dieses Buch etwas für mich sein. Aber gut, dass man auch mal eine andere Meinung dazu liest, bisher gab es eigentlich nur Lobeshymnen.
    Jetzt bin ich erst recht neugierig darauf.

    Liebe Grüße,
    Nicole

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  4. Hey Steffi,

    Zunächst war ich wegen dem Klappentext neugierig und dachte das könnte auch ein Buch für mich sein, aber Deine Rezension hat mich dann schnell zurückgeworfen, denn mit solcher Art von Roman kann ich nichts anfangen :/ Aber die Grundidee gefällt mir sehr.
    Vielen Dank für's vorstellen <3

    Ich wünsche Dir noch ein schönes, entspanntes Wochenende :)

    Liebe Grüße,
    Tascha

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  5. Hast du meine Kritik gelesen?
    Hab das Buch bzw die Figur auch mit "Das Parfüm" verglichen :D

    Bei mir gabs ein Sternchen mehr, änderte aber nichts am Gesamteindruck: Das Buch ist nix für mich :/
    Wir zwei hatten aber auch ein Glück die letzten Monate :P
    Das MUSS sich ändern :D

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  6. Huhu,
    wie gesagt hat mir das Parfüm sehr gut gefallen. Aber du hast mir mit deiner Rezension zumindest vom Hörbuch abgeraten. Denn wenn ich das so lese müßte man sich da wohl viel zu sehr konzentrieren. Werde es mir doch mal als Printbuch holen.

    Liebe Grüße, Julia

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  7. Anonym2/22/2015

    hi, ich finde, mit dem parfum kann man still nicht so gut vergleichen. vielleicht wird ja der nächste raab besser: http://tinyurl.com/nb69fmx
    lieben gruss, adele

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