Dienstag, 15. Dezember 2015

|Rezension| Abschied für immer und nie von Amy Reed


 Harper Collins Verlag | Hardcover | erschienen am 10.11.2015 | 320 Seiten | 16,90 € 
Reihe: Invincible #1 | Genre: Roman

Seit „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ erscheinen immer häufiger Bücher mit dem einstigen Tabuthema Krebs. Eine Entwicklung, die ich besonders im Jugendbuchbereich sehr begrüße, denn ich finde man schweigt über diese Krankheit viel zu häufig, sieht weg und denkt sich „So was passiert mir nicht, so was passiert nur den anderen“. Doch es kann jeden von uns treffen und genau dies wird in Abschied für immer und nie unglaublich deutlich und zeigt dabei jedoch eine ganz andere Seite einer „Krebsgeschichte“, nämlich das Leben danach.

Evie ist 17 Jahre alt, Cheerleaderin und ihr Freund Will würde alles für sie tun. Sie führt ein unbeschwertes Leben bis der Krebs in ihr Leben tritt. Evie leidet an einer sehr aggressiven Form von Knochenkrebs und hat laut der Prognose der Ärzte nicht mehr lange zu leben. Statt daran zu zerbrechen ist Evie jedoch stark. Statt getröstet zu werden, übernimmt sie die tröstende Rolle ihrer Eltern und ihrer Schwester. Ein Verhalten, dass mich zu Tränen gerührt hat und einem vor Augen hält, wie schnell man durch derartige Schicksalsschläge doch erwachsen wird. Evies Krankenhausalltag verbringt sie mit zwei anderen Krebspatienten, die sich nicht mehr von ihren Freunden an der High School unterscheiden könnten. Stella ist eine exzentrische und immerzu schwarz tragende Punkerin und Caleb ein schüchterner und sehr sensibler Junge. An Evies vermeintlich letzten Tagen möchten die beiden Freunde Evie ein letztes Abenteuer bescheren. Doch dieses Abenteuer ist viel mehr als das…

Es kommt zu einer 180 Grad Wendung. Wir nehmen zwar Abschied, jedoch nicht wie angenommen von Evie, denn ihr Gesundheitszustand verbessert sich plötzlich aus unerklärlichen Gründen. Nun sollte man meinen, dass das Überleben von Krebs doch eigentlich für alle ein Happy End darstellt. Doch für Evie ist diese nicht der Fall. Von der Sterbenden zur Lebenden, das ist zu viel für Evie. Als sie aus dem Krankenhaus entlassen wird, bricht sie sämtliche Kontakte ab. Sowohl zu der „kranken“ als auch der „gesunden“ Welt. Dinge, die sie einst mochte, interessiert sie nicht mehr. Alles und jeder erscheint ihr belanglos, unbedeutend und langweilig. „Lebe wagemutig“ so lautete einst Stellas und nun auch Evies Lebensmotto. Sie sucht den Kick. Um ihre Schmerzen zu lindern greift sie immer mehr zu Tabletten. Bis aus Tabletten Drogen werden. Und dann trifft sie auf Marcus…

Amy Reeds Schreibstil liest sich sehr flüssig. Sie zeigt den Krebs von seiner wahren Seite und beschönigt nichts. Ihre Figuren sind allesamt authentisch und sehr vielschichtig gezeichnet. Selbst der Krebs hat hier Charakter. Zu Beginn war Abschied für immer und nie unglaublich emotional und zeitgleich auch sehr humorvoll durch sehr viel Wortwitz der Charaktere. Evies extremer Persönlichkeitswechsel hat es mir aber ab der Hälfte des Buches leider etwas schwer gemacht ihr Handeln nachzuvollziehen, sodass das Mitfühlen leider auf der Strecke geblieben ist. Trotz alledem hebt Abschied für immer und nie sich gerade deswegen von Büchern mit ähnlicher Thematik ab, denn im Fokus steht hier das Danach. 

Das Buch endet mit einem unglaublichen Cliffhanger und da ich zum Zeitpunkt des Lesens davon ausgegangen bin, dass es sich hierbei um einen Einzelband handelt, war ich wegen des offenen Endes und der Schwermütigkeit zum Ende des Buches zunächst etwas enttäuscht. Doch es hat mich zum Nachdenken gebracht und ich habe mich gefragt, wie ich es denn gerne hätte enden lassen würden und bin zu keinem Ergebnis gekommen. Fakt ist, dass das Ende polarisiert und Raum zur Diskussion bietet, die wir als "Nicht-Beteiligte" aber im Grunde nicht führen können.

Nachdem ich nun herausgefunden habe, dass es im Englischen bald eine Fortsetzung von Abschied für immer und nie geben wird, stimmt mich dies gnädig und ich freue mich jetzt schon mehr über Marcus Geschichte zu erfahren.

für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplares!

Kommentare:

  1. Hey Steffi =)
    Es gibt eine Fortsetzung? :o
    Ich dachte schon, bei dem Ende^^
    Mich hat Evies "extremer Persönlichkeitswechesel" auch ziemlich gestört, und hat das Buch für mich leider etwas "schlechter" gemacht.
    Naja, da bin ich mal gespannt auf die Fortsetzung!

    LG ♥
    Anna

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    1. Guten Morgen Anna,
      ich denke mit dem Ende haben wir alle so unser Problemchen. Aber vielleicht lösen dieses sich ja in Luft auf, wenn wir den 2. Band in den Händen halten. Hatte bei goodreads nachgeschaut und dort wird ein 2. Band "Unforgivable" angezeigt.
      Bin gespannt, was uns erwarten wird.

      Liebe Grüße
      Steffi

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  2. Huhu Liebes,

    das Buch habe ich mir über Tauschticket geordert und bin nach deiner Rezi echt gespannt drauf. Ich bin wohl einige der wenigen, die "Das Schicksal ist ein miser Verräter" nicht gelesen hat. Allerdings habe ich den Film geguckt und natürlich Rotz und Wasser geheult :(


    Liebste Grüße
    Sonja

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    1. Guten Morgen meine Liebe,

      ehrlich gesagt hast du bei "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" in Buchform aus meiner Sicht auch nicht viel verpasst, denn ich fand es in keinster Weise emotional. Die Charaktere waren nicht authentisch und es war für mich einfach nur ein Buch. Dies ist bei "Abschied für immer und nie" ganz anders. Die Charaktere sind vielschichtig und man fühlt mit ihnen mit. Wenn du es gelesen hast, wirst du wissen, was ich meine.
      Übrigens habe ich beim Film von "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" auch nur geweint ;)
      Fühl dich gedrückt!
      <3

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  3. Danke liebe Steffi für diesen tollen Tipp. LG deine ulistuttgart

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  4. Wenn es dazu tatsächlich eine Fortsetzung gibt, bin ich echt gespannt, was sich die Autorin dazu einfallen lässt.

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