Sonntag, 14. Februar 2016

|Rezension| Jane Austens Northanger Abbey von Val McDermid

Harper Collins Verlag | Hardcover | erschienen am 10.01.2016 | 320 Seiten | 15,99 € 
Einzelband | Genre: Roman

Als ich von dem Remake von Jane Austens Northanger Abbey erfahren habe, stand für mich direkt fest, dass ich dieses Buch lesen muss. Mein Gedanke war, wenn ich schon mit dem Schreibstil des Klassikers nicht zurechtkomme und es wahrscheinlich nie lesen werde, dann muss ich zumindest die Adaption lesen. 
Wie gesagt, ich habe das Original nie gelesen und kann mir daher kein Urteil darüber erlauben, inwieweit Val McDermids Interpretation von Northanger Abbey nun mit dem Original übereinstimmt. Doch nach dem Lesen des Buches will mir einfach nicht einleuchten, was mir dieses Buch sagen will und dies scheint der Autorin auch - wie man dem Epilog entnehmen kann - bewusst.
„Die Moral oder Aussage dieser Geschichte ist nur schwer herauszulesen. Und so soll es auch sein, denn, wie Catherine Morland auf schmerzliche Art und Weise herausfand, ist es nicht der Sinn erfundener Geschichten, als Lektionen fürs Leben zu dienen.“ (S. 304)
Wir begleiten die 17-Jährige Pfarrerstochter Cat Morland, die eines Tages ihre Nachbarn die Allens für einen Monat auf ein Kulturfestival nach Edinburgh begleitet.  Dort schließt sie unter anderem mit Ellie und Henry Tilney Freundschaft, die sie im Laufe der Zeit nach Northanger Abbey einladen. Da Cats Leben in ihrem Heimatort Piddle Valley doch eher eintönig ist und sie eine blühende Fantasie und insbesondre eine Vorliebe für Vampirbücher à la Twiligt hat, blüht ihre Fantasie bei Ankunft auf dem imposanten Familiensitz auf. Sie reimt sich eine Geschichte über die Familie zusammen und ist Feuer und Flamme Northanger Abbey zu erkundschaften. 
„[…] Das ist der Anfang eines wunderbaren Abenteuers. Die ganzen Jahre habe ich von aufregenden Taten und wilden Geschichten gelesen, und jetzt werde ich wirklich meine eigene erleben.“ (Cat, S. 16)
Nun sollte man doch meinen, dass eine Krimiautorin wie Val McDermid es schafft bei den Handlungssträngen insbesondere auf Northanger Abbey eine gewisse düstere Stimmung zu erzeugen oder gar Spannung. Leider war dies hier beides nicht der Fall und das fand ich ehrlich gesagt sehr enttäuschend, denn so ist Northanger Abbey doch gerade für sein mysteriöses Geheimnis bekannt.

Der Schreibstil von Val McDermid fühlt sich etwas gestellt an und liest sich dadurch auch nicht sehr flüssig. Man hat das Gefühl als hätte Val McDermid die Sprache des Klassikers übernehmen wollen, aber nicht dabei bedacht, dass die Geschichte doch eigentlich im hier und jetzt spielen soll. Die Handlungen und insbesondere Einstellungen und Ansichten der Protagonisten waren sehr häufig nicht mehr zeitgemäß und wurden auch nicht durch die Verwendung der diversen sozialen Medien wie Facebook, Twitter und SMS „neutralisiert“. Dieser Mix aus alten und neuen Elementen war mir an vielen Stellen leider zu widersprüchlich und wirkte deshalb gestellt. Zudem blieben mir auch die Charaktere doch zu blass, um eine Beziehung zu diesen aufbauen zu können.

Ich denke eingefleischte Jane Austen Fans, die die Geschichte von Northanger Abbey nochmal aus einer anderen Autorensicht erneut erleben wollen, werden hier leider nicht auf ihre Kosten kommen. Aber wenn man das Ganze losgelöst von Jane Austens Klassiker betrachtet, so würde ich es vielleicht als solides Jugendbuch durchgehen lassen.

Letztendlich bleibt jedoch festzuhalten, dass auch wenn Remakes aktuell total in aller Munde sind - wie man beispielsweise aktuell auch vermehrt im TV bewundern darf - sollte man es vielleicht manchmal doch einfach beim Original belassen. 

Vielen Dank an Harper Collins Verlag und Literaturtest
für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplares!

Kommentare:

  1. Hey,
    wie ich sehe, sind wir komplett einer Meinung bezüglich dieses Buches. Ohne Vorwissen bzw die Lektüre des Originals kann ich Northanger Abbey auch nicht mit der Austen-Version vergleichen, aber ich glaube, auch die wäre nicht wirklich etwas für mich... Ich fand auch den Schreibstil sehr bemüht und die Geschichte einfach langweilig. Meine Rezension erscheint irgendwann nächste Woche, vielleicht magst du ja vorbeischauen? :)

    Ach, und hast du die Federbewertung vergessen oder bin ich blind..? :)
    Liebe Grüße!

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    1. Hallihallo Henrike,

      schade, dass es dir ebenfalls so erging, aber vielleicht gehören wir auch einfach nicht zu der Zielgruppe des Buches.
      Meine Federbewertung habe ich im Rahmen der schriftlichen Rezensionen aufgegeben, da an erster Stelle meine Leseeindrücke stehen sollen und nicht die Federn.

      Liebe Grüße
      Steffi

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  2. Hey Steffi,
    ich bin froh, dass es mir mit dem Buch nicht als einzige so geht. Ich habe, um das Buch richtig bewerten zu können und weil es eh auf meiner Wunschliste stand, zum Original gegriffen, um beurteilen zu können, ob die Protagonistin wirklich so naiv ist. Ja, ist sie. Jedenfalls bis ungefähr zum letzten Drittel des Buchs. Val McDermids Version habe ich nicht mehr zu Ende gelesen, denn genau wie du finde ich, dass sie die falschen modernen Aspekte in den Vordergrund gesetzt hat - bevor man über Facebook, Whatsapp und sonst etwas spricht, sollte man auch seine Figuren, insbesondere das Frauenbild, ins 21. Jahrhundert holen.
    Was dein Problem angeht, dass du nicht weißt, was die Autorin mit diesem Buch sagen will: Jane Austen hat Northanger Abbey als Parodie auf zwei sehr verbreitete Romanformen des 18./19. Jahrhunderts geschrieben und war zwar einerseits der (zur damaligen Zeit nicht sehr verbreiteten) Ansicht, dass Romane lesenswert sind, wollte aber auch deutlich machen, dass sie keineswegs die Realität widerspiegeln und man sie mit Distanz genießen sollte.
    Echt schade, dass die neue Version scheinbar nicht das hält, was sie verspricht. :(

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